Kulturblatt: Ackerbohne (Vicia faba)

Die Ackerbohne ist jene Bohne, die bereits am längsten im Alpenraum kultiviert wird. 

Sie stammt nicht aus der Neuen Welt, sondern wird in Europa bereits seit Jahrtausenden kultiviert.

Sie gehört ebenso wie die Gartenbohne zur Familie der Schmetterlingsblütler. 

Sortenvielfalt

Folgende Sortengruppen werden anhand der Korngröße unterschieden: 

Ackerbohne ssp. minor var. minor kleines Korn

Pferdebohne (Saubohne) ssp. faba var. equina mittelgroßes Korn

Puffbohne (Dicke Bohne) ssp. faba var. faba   großes Korn

Anbau

Ackerbohnen sollen frühzeitig angebaut werden, da sie in der Sommerhitze nicht gut gedeihen: Erträge und Pflanzengesundheit sind bei frühen Aussaaten (Mitte Februar – Mitte März) besser. 

Das empfindlichste Stadium, in dem die Pflanzen geschädigt werden können, haben sie durch die frühe Aussaat bereits vor dem Auftreten der Schädlinge und Krankheiten durchlaufen.

Die Samen werden 7-8 cm tief gesät, so macht ihnen die Kälte nichts aus, Abstand 15 cm in der Reihe und 45 cm zwischen den Reihen. 

Auch gedeihen die Pflanzen in höheren Lagen aufgrund der niedrigeren Temperaturen und der höheren Luftfeuchtigkeit besser.

Im Ultental, wo traditionell bis heute Ackerbohnen kultiviert werden, werden sie erst gemeinsam mit den Kartoffeln und am Rand des Kartoffelackers gesät.

Die Ackerbohne hat einen festen Stängel und einen aufrechten Wuchs. Sie benötigt kein Rank Gerüst, soll aber entweder gestützt werden oder zur Erhöhung der Standfestigkeit in mehreren Reihen nebeneinander angebaut werden. 

Ackerbohnen sind Stickstoffsammler und durchwurzeln den Boden sehr gut. 

Bohnenfliegenbefall an den Keimlingen lässt sich verhindern, wenn man Ackerbohnen nicht nach anderen Hülsenfrüchten anbaut, und vor allem, indem man keinen frischen, nährstoffreichen Dünger verabreicht. 

Die Ackerbohnen baut man am besten in offenen, windigen Lagen an. Dadurch reduziert sich das Risiko eines Läusebefalls. 

So unempfindlich Ackerbohnen gegen Kälte sind, so empfindlich sind sie gegen Trockenheit: vor allem während der Blütezeit sind Ackerbohnen wasserbedürftig.

Damit die angesetzten Hülsen besser und rascher abreifen, und die Pflanze besser bestockt, kann man den Spitzentrieb in ca. 1,2 m Höhe abzwicken.

Nutzung

Die klein körnigen Varianten (var. minor) werden allein oder im Gemenge mit Getreide angebaut und als Kraftfutter für Vieh verwendet. 

Die großkörnigen (var. faba) Varianten werden in Gärten und im Erwerbsgemüsebau gezogen und nur für die menschliche Nahrung genutzt, sei es als Frischgemüse oder für Tiefkühlkost. 

Aus den getrockneten Bohnen wurde bis in die 20er Jahre auch bei uns noch häufig durch Mahlen oder Schroten ein Mehl hergestellt, das man gelegentlich dem Getreidemehl beimengte. 

Häufiger aber wurde die reife Bohne zu Brei und Suppen verkocht oder als Suppeneinlage verwendet. 

Wissenswertes: Favismus

Die Krankheit „Favismus“ wurde erstmals im Zusammenhang mit dem Verzehr von Ackerbohnen beobachtet. 

Sie beruht auf einem genetisch bedingten Mangel am Enzym Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase. 

Das bedeutet, dass es unter bestimmten Umständen bei Menschen mit dieser genetischen Störung nach dem Verzehr von Ackerbohnen zum Zerfall der roten Blutkörperchen kommen kann. Symptome sind körperliche Schwäche, Gelbfärbung von Haut und Augen sowie Dunkelfärbung des Urins.

Vor allem im Mittelmeerraum, in Afrika und Asien tritt Favismus auf, wobei Männer häufiger und stärker von diesem Enzymmangel betroffen sind. Laut Schätzungen sind weltweit ca. 400 Millionen Menschen betroffen. 

Warum dieser Gendefekt gerade in südlichen Ländern so verbreitet ist, lässt sich evolutionsbiologisch erklären: Betroffene sind weniger empfindlich gegenüber den dort häufig vorkommenden Malaria-Infektionen.

Kulturgeschichte

Die Ackerbohne ist eine sehr alte Eiweißpflanze, die im Nahen Osten bereits seit dem späten Neolithikum angebaut wurde. 

Die ältesten Funde stammen aus dem 7. Jahrtausend v. Chr. (Israel). 

In der Jungsteinzeit baute man als Hülsenfrüchte nur Erbse, Linse und die Ackerbohne an. 

Bis ins 16. Jahrhundert war die Ackerbohne eine der wichtigsten Kulturpflanzen und die „Bohne“ schlechthin: als Viehfutter und als Nahrungsmittel, roh und ohne Hülsen, wenn die Kerne noch grün und weich sind; gedörrt, geräuchert oder gemahlen als Brei und als Mischung mit Roggen- und Gerstenmehl. 

Erst mit der Ankunft der Gartenbohne wurde die Ackerbohne in Europa zur „Saubohne“ degradiert, die Busch- und Stangenbohnen machten der Ackerbohne ihre Rolle als Gemüse streitig. Einzig in den kühleren Anbaugebieten blieb sie erhalten, bis sie dort durch die Kartoffel verdrängt wurde.

In einigen Gegenden Griechenlands, Süditaliens, Portugals, Großbritanniens wird die Ackerbohne auch gegenwärtig intensiv genutzt.

Ackerbohne in Südtirol

Die Ackerbohne wird in einigen Talschaften, vor allem aber im Ultental, noch auf einigen Höfen angebaut. Dort wird sie einfach „Bohne“ („Boa“) genannt. Sie wird grünreif geerntet und mit Erdäpfeln gegessen.

Aus dem Ultental gibt es auch einen prähistorischen Fund der Ackerbohne: In einer Kultstätte in St. Walburg, die der Eisenzeit zugeordnet wurde (800-400 v. Chr.), wurden verkohlte Reste von Samenkörnern der Ackerbohne gefunden.

Da die Bohne in kühlfeuchten Lagen des Berggebietes besonders gut gedeiht, wird sie in diesen Tälern am häufigsten angebaut.

Die Sammlung Südtiroler Landsorten umfasst 15 Sorten der Ackerbohne. Beinahe alle dieser Sorten haben ein violett-schwarzes und relativ kleines Korn. Nur eine Sorte zeigt auch in der Reife ein grün-gelbes Korn.